04/03/2026
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Der Autor reflektiert die Ereignisse der friedlichen Revolution und die glücklichen Umstände, die zur politischen Freiheit führten. Trotz späterer Enttäuschungen bleibt er stolz, selbst einen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben.
04/03/2026
84
Deutsch
Vieles geht 32 Jahre nach unserer friedlichen Revolution unserem Gedächtnis und Andenken verloren, wenn es nicht schriftlich festgehalten wird.
Nie hätte ich zu hoffen gewagt, dass ich es nach 40 Jahren SED-Herrschaft noch erleben darf, noch einmal politische Freiheit zu genießen. Ich dachte eindeutig, unsere Machthaber, die verfetteten „Söhne der Arbeiterklasse“, würden uns eher verhungern lassen, als von ihrer Macht auch nur ein winziges Stück abzulassen.
Gut, wir hatten viel Glück mit der Abfolge der Ereignisse: Das Schaufenster nach dem Westen (Fernsehen, Intershops, Besuchsreisen) ließ so manchen die Faust in der Tasche ballen. Gorbatschows Perestroika und Glasnost, Polens Solidarnosc, die dank des Papstes am Leben blieb, Ungarns Grenzöffnung nach Österreich – all das spielte eine entscheidende Rolle. Hinzu kam das zu lange Dulden der führenden Genossen unter Honeckers seniler Fuchtel mit anschließender Uneinigkeit.
Wie gesagt: Glück gehabt.
Nun will ich aber nicht behaupten, dass wir heute den Himmel auf Erden haben. Aber bei all den Einschränkungen, die wir nach der Wende wahrnahmen, bin ich stolz, dass ich als jemand, der sich nicht für sehr mutig oder gar heldenhaft hält, im richtigen Augenblick die Angst hinter sich ließ und als winziges Rädchen der friedlichen Revolution dienen durfte.